Biologische Station Zwillbrock e.V.

Feuer im Moor - 6 Wochen danach


Am Freitag, dem 3. Juni 2011 brach im niederländischen Naturschutzgebiet Aamsveen südlich von Enschede ein Feuer aus. Bedingt durch die spärlichen Niederschläge des Frühjahrs waren das Moor und die Heideflächen oberflächlich stark ausgetrocknet. Daher breiteten sich die Flammen entsprechend dem vorherrschenden Westwind sehr schnell nach Osten aus. Dort erreichten sie die deutsch-niederländische Grenze und griffen von Nordwesten aus auch in das angrenzende Hündfelder Moor auf Gronauer und Ahauser Boden über.

Durch die gemeinsamen grenzüberschreitenden Löscharbeiten konnte das Oberflächenfeuer rechtzeitig vor den östlich an das Hündfelder Moor angrenzenden Zollhäusern im Laufe des Samstags gestoppt und gelöscht werden. Dabei blieb das südliche Drittel des Hündfelder Moores weitgehend erhalten. Allerdings entstanden in dem oberflächlich stark ausgetrockneten Torf zahlreiche Glutnester, in denen das ansonsten schnell über die Oberfläche gelaufene Feuer langsam in die Tiefe schwelte. Durch gezielte Löscharbeiten und ein unterstützendes Gewitter mit Starkregen wurden die Schwelbrände bereits am Sonntag weitgehend gelöscht.

Insgesamt waren von dem Brand auf niederländischer Seite im Aamsveen etwa 20-30 Hektar und im Hündfelder Moor ca. 70 Hektar betroffen.

Damit sind auch große Flächen mit Feuchtheide sowie anderen moortypischen Lebensräumen abgebrannt, die als europäische Lebensraumtypen im Natura 2000-Gebiet Amtsvenn und Hündfelder Moor geschützt sind und erhalten werden sollen. Für die meist auf den Torfrippen vorkommenden Heideflächen entstanden durch den Torfbrand besonders tiefgreifende Veränderungen: der Torf brannte quadratmeterweise bis zu 10cm in die Tiefe flächig ab. Die mineralstoffreiche Asche wird durch die Niederschläge gelöst und von den Flächen abgewaschen. In den Senken und Schlenken führt sie zu einer Nährstoffanreicherung der Moorregenerationsflächen und verschlechtert damit die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Regeneration des nährstoffempfindlichen Hochmoors.

Durch den Brand verloren auch viele seltene Brutvögel des Hündfelder Moores ihre Nester, Eier und Jungvögel. Dies gilt insbesondere für die bodennah brütenden Arten wie Ziegenmelker, Wiesenpieper, Schwarzkehlchen oder Blaukehlchen.  Große Verluste entstanden auch unter den Insekten und bodennah lebenden Wirbeltieren, die dem schnell voranschreitenden Feuer kaum ausweichen konnten.

Schließlich wurden insbesondere durch den Torfbrand große Mengen an CO2 freigesetzt und so die klimaschützende Funktion des Moores beeinträchtigt.

Bereits 3 Wochen nach dem Brand sind viele Schäden für den Laien kaum noch zu erkennen: das Pfeifengras ist dank der Aschedüngung und der ergiebigen Regenfälle bereits flächig wieder ergrünt und mehr als 15 cm gewachsen, die neuen Wedel des Adlerfarns beginnen sich bereits zu entfalten. Die Vögel, Moorfrösche, Schmetterlinge, Libellen und anderen Überlebenden des Brandes haben bereits wenige Tage nach dem Brand die Flächen wieder in Anspruch genommen.

Die Regeneration der Heide sowie die Reaktion der feuchten Schlenken auf die beeinträchtigende Nährstoffzufuhr wird jedoch deutlich längere Zeit in Anspruch nehmen. Ob und in welchem Maße die Regeneration des Hochmoores im Hündfelder Moor durch den Brand zurückgeworfen wurde, wird sich erst langfristig bilanzieren lassen. Ebenso bleibt abzuwarten, wie sich die Populationen der betroffenen Tier- und Pflanzenarten nach dem Brand wieder erholen.

Welche Konsequenzen sich aus dem Brand für das künftige Gebietsmanagement ergeben, wird in der  Biologischen Station Zwillbrock zur Zeit beraten.

Der vom Brand betroffene Teil des Hündfelder Moores ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Bitte beachten Sie diese Regelung und berücksichtigen Sie, dass das Gebiet durch den Brand weitgehend seiner Vegetationsstruktur beraubt ist: die überlebenden störungsempfindlichen Tierarten reagieren hier gegenüber Besuchern besonders empfindlich. 
Damit Sie sich trotzdem einen eigenen Eindruck vom Brand und seinen Folgen machen können, haben wir ein Fototagebuch über den Brand und seine Folgen begonnen (Fotograf: Christoph Rückriem). 

Informationen aus dem angrenzenden niederländischen Aamsveen finden Sie auf den Seiten von Landschap Overijssel

04.06.2011:


Lodernder Oberflächenbrand kurz vor den Zollhäusern


Die Heide brennt


Löschen mit der Feuerpatsche


Löschtrupp im Einsatz


Das Oberflächenfeuer ist gelöscht, der Torf hat zu brennen begonnen

05.06.2011: 


Torfbrand mit Aschefeld


Löschen von Glutnestern im Torf


Löschen von Glutnestern im Torf


Adlerfarn nach dem Brand


Moorgebüsch nach dem Brand


Ein Ziegenmelker mit Rauchvergiftung


Ein Moorfrosch hat überlebt

06.06.2011:


Wollgras hat den Brand überstanden


Im zentralen Hündfelder Moor brennt der Torf großflächig



Kleines Glutnest im Torf


In den feuchten Senken hat das Feuer hauptsächlich die Halme des Pfeifengrases beseitigt; 
die Torfmoose blieben weitgehend erhalten


 

Birkenbestand nach dem Brand


Das Pfeifengras treibt bereits wieder aus

 

16.06.2011:


Die Birken haben durch das Feuer an den unteren Ästen das Laub verloren, haben den Brand 
aber überlebt. Das Pfeifengras ist bereits flächig wieder ausgetrieben.


In der Feuchtheide zeigen sich neue Triebe des Pfeifengrases; das Heidekraut und die 
Glockenheide zeigen noch keine Regeneration


Auf den Torfrippen ist der Torf teilweise bis zu 10 cm Tiefe flächig abgebrannt - hier ist alle Vegetation zerstört



Auf den flächig abgebrannten Torfrippen treibt auch das Pfeifengras bisher kaum aus

 


Die Bäume haben durch den Torfbrand teilweise ihre Wurzeln verloren


Das Feuer hat eine Birke komplett gefällt


 

Dieser Einzelbaum wurde vom schnell laufenden Oberflächenfeuer kaum beeinträchtigt


Die dichten Birkenbestände wurden durch das Feuer teilweise flächig abgetötet


Auf den Schwingrasen blieben die Torfmoose und das Wollgras weitgehend intakt; das Feuer hat im wesentlichen die Halme des Pfeifengrases sowie die aufkeimenden Birken betroffen


Der Adlerfarn treibt in der Asche flächig wieder aus; die Wedel haben bereits eine Höhe von ca. 50 cm erreicht



Die Asche ist vom Regen in die Moorschlenken gewaschen worden - hier beeinträchtigt sie die Torfmoose, die für die Regeneration des Moores von zentraler Bedeutung sind


Die Ufergehölze und die Ufervegetation am zentralen Torfstich sind durch den Brand stark in Mitleidenschaft gezogen. Sie haben für die Blaukehlchen als Bruthabitat eine wichtige Bedeutung


In der Feuchtheide treibt nach dem Brand das Scheidige Wollgras flächig neu aus


Das Bild dieser Moorschlenke mit intakt gebliebenem Schopf aus Pfeifengras dokumentiert, dass das Oberflächenfeuer nur schnell und oberflächlich über das Gebiet lief - durch Wasser und Feuchtigkeit geschützte Bereiche sind kaum betroffen


Die weiße Farbe der Torfmoosbulte zeigt eine Beeinträchtigung der Hochmoor-Torfmoose durch Austrocknung und/oder das Feuer an

 Das Feuer hat auch die Pegel, mit denen die Wasserstände im Moor beobachtet werden, zerstört


Wiedervernässungs-Einrichtungen wie diese Holzsperre eines entwässernden Grabens wurden vom Feuer zerstört


18.07.2011:


Gute sechs Wochen nach dem Brand hat sich das Moor optisch schon weitgehend regeneriert. Dass es hier gebrannt hat, ist vor allem noch an den braunen Blättern der Birken und den verkohlten Resten der Heidesträucher zu erkennen. Das Feuer hat vor allem dort, wo der Torf gebrannt hat, mineralstoffreiche Asche hinterlassen, die für die regenerierenden Pflanzen als Dünger wirkt. Das Pfeifengras ist bereits wieder mehr als 30cm hoch, der Adlerfarn hat bereits wieder Höhen von 70cm erreicht. In durch Asche beeinflussten Schlenken ist das Wollgras satter grün als zuvor - teilweise blüht es Monate später als üblich ein zweites Mal. 

Die von der Hitze des Feuers beeinträchtigten Birken haben ihr Laub nicht regenerieren können - sie tragen entweder vollständig braunes, welkes Laub oder sind im von der Hitze kaum betroffenen Wipfelbereich weiterhin grün. Viele Birken und auch der Faulbaum schlagen aus den Wurzeln wieder aus. 

In den Schlenken und den Schwingrasen hat das Feuer kaum Schäden hinterlassen; die Torfmoose sind nach den Regenfällen der vergangenen Wochen wieder flächig grün; immer wieder trifft man vom Feuer kaum beeinflusste Bestände des Wollgrases. Auch die Schnabelried-Bestände sind soweit bereits erkennbar nur dort nennenswert beeinträchtigt, wo das Feuer auch den Torfkörper erfasst hat. Sogar die vom Feuer betroffenen Hochmoor-Torfmoos-Bulte haben sich dank der Niederschläge bereits weitgehend erholt.

Auch die Feuchtheide ist bereits wieder weitgehend ergrünt - neben dem allgegenwärtigen Pfeifengras regeneriert hier vor allem das Scheidige Wollgras. Die vom Brand betroffenen Heidesträucher sind flächig oberirdisch abgestorben; ihre Regeneration aus dem Wurzelstock beginnt erst an wenigen Pflänzchen. 

Die vom Torfbrand betroffenen Flächen sind weiterhin vegetationslos - hier finden sich große schwarze Flächen mit Ascheauflage. Nor dort, wo der Adlerfarn seine Kriechsprosse noch unterhalb des vom Brand erfassten Torfhorizonts hat, treiben einzelne Wedel wieder aus. 

In einigen Schlenken, in die die Niederschläge Asche eingespült haben, findet sich eine flächige giftgrüne Algenschicht - die Düngung hat hier offensichtlich eine sonst nicht dominant in Erscheinung tretende Algenart zur Blüte gebracht. 

Die Auswirkungen auf die Tierwelt können nach wie vor kaum eingeschätzt werden; Waldeidechsen, Moorfrösche sowie Libellen und Vögel konnten auf den abgebrannten Flächen bereits wieder beobachtet werden; ein Pärchen Schwarzkehlchen hat bereits ein Nachgelege. 


Adlerfarn ist bereits wieder mehr als 70cm hoch


Unter den abgestorbenen Birken ist der Adlerfarn bereits flächig wieder ergrünt

Auf großflächig verbranntem Torf findet sich immer noch nur Asche

Selbst der Adlerfarn treibt auf Torfbrandflächen nur dort aus, wo in tieferen nicht vom Brand betroffenen Torfschichten Kriechsprosse vorhanden sind



Besenheide und Glockenheide sind durch den Brand flächig abgestorben







An einigen Pflanzen treibt die Besenheide aus den Wurzeln neu aus
 

Auch einige wenige wieder austreibende Glockenheide-Pflanzen finden sich bereits


Hier sind ca. 30cm Torf verbrannt - zu erkennen am Wurzelhals der toten Jungbirke


In den Schlenken steht inzwischen wieder Wasser - auch das Flutende Torfmoos hat überlebt


Am Fuße einiger Birken finden sich bereits Stockausschläge


Auch der Faulbaum treibt bereits wieder aus


Am zentralen Torfstich im Hündfelder Moor zeugen fast nur noch die braunen Blätter der Birken vom Brand


Dieser Torfmoos-Schwingasen zeigt sich durch den Brand kaum beeinträchtigt

Wohl unter dem Einfluss der Asche-Düngung blüht dieses Scheidige Wollgras - Monate später als üblich

 

Hier hat der Torfbrand die Wurzeln der Birken erfasst und so die Bäume regelrecht gefällt


Der Regen hat Asche in die Schlenke gespült - durch die Düngung ist hier eine Algenblüte entstanden


Die Torfmoos-Bulte haben den Brand weitgehend unbeschadet überstanden

 






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