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© C. Rückriem

Flamingos im Zwillbrocker Venn

Seit über 35 Jahren kommen Flamingos zur Brut ins Zwillbrocker Venn. 

Erst brütete hier nur der Chile-Flamingo; dann kam der Europäische Rosa Flamingo hinzu. In einzelnen Exemplaren kam bzw. kommen sporadisch auch Karibischer Flamingo und Zwergflamingo im Zwillrocker Venn vor.  Während der Brutzeit können im April und Mai  bis zu 50 Flamingos im Zwillbrocker Venn beobachtet werden. Die im Mai und Juni geschlüpften Jungvögel kehren nach Jahren wieder in ihre Brutkolonie zurück.
Die Wintermonate verbingen die Flamingos in den Niederlanden, in ihren Überwinterungsgebieten am Ijssel- und Veluwemeers und am Rheindelta.

Wissenwertes über Flamingos

Was Sie schon immer über Flamingos wissen wollten . . .

Die Flamingogruppe besteht aus über 70 Tieren, besonders zu Beginn der Brutzeit sind ca. 50 Flamingos im Zwillbrocker Venn anwesend.

Die im Zwillbrocker Venn erbrüteten Jungvögel verbringen die ersten Jahre meist noch in ihren Winterquartieren und schließen sich erst in den Folgejahren dem Zug zur Brutplatz nach Zwillbrock an.
Einige wenige Tiere der Flamingogruppe halten sich jedoch auch an anderen Orten auf (z.B. Nord-Frankreich oder Spanien).

Die Informationen über ihren Aufenthaltsort erhalten wir durch das Ablesen der Ringgnummern (z.B. ZV 47). Durch die ca. 5,5 cm langen roten Plastikringen mit weißer Einschrift, lassen sich die Einzeltiere eindeutig identifizieren. Die im Zwillbrocker Venn geschlüpften Flamingos werden seit 1995 beringt.

Den Großteil der Gruppe von bis zu 70 Flamingos bilden Chile-Flamingos. Weiterhin gehören ca. zehn Rosa Flamingos und ein langsam steigender Anteil an Hybriden zu dieser Flamingo-Population.

Chile-Flamingos (Phoenicopterus chilensis) bauten in 1982 die ersten Nester im Zwillbrocker Venn, diese Art stellt heute noch den größten Anteil der Brutkolonie. Das natürliche Verbreitungsgebiet der Chile-Flamingos befindet sich in Südamerika.

Ab 1986 kamen die ersten Rosa Flamingo (Phoenicopterus roseus) dazu, mittlerweile können über 15 Rosa Flamingos in der Brutkolonie beobachtet werden. Die nächsten Kolonien des Rosa Flamingos befinden sich in Südfrankreich, Spanien und Italien.

Seit 1995 gesellte sich nahezu jährlich auch ein intensiv rot gefärbter Karibischer Flamingo (Phoenicopterus ruber)  zu der Kolonie, der jährlich eine Paarung mit Rosa Flamingos einging. Hybride dieser zwischenartlichen Paarungen wurden z.B. 2011, 2013 und 2015 erfolgreich im Zwillbrocker Venn aufgezogen und  flügge. Mitterweile ist dieser Karibischer Flamingo verstorben, seine Nachkommen, die auch die intensive Rotfärbung besitzen, können aber weiterhin beobachtet werden.

In den Jahren 2006, 2007 sowie 2010 war auch jeweils ein Zwergflamingo (Phoeniconaias minor) in der Kolonie anzutreffen, der jedoch nicht am Brutgeschäft beteiligt war.

 

Eine gute Beobachtungsmöglichkeit bietet Ihnen die Beobachtungkanzel an der Remise, direkt am Rundwanderweg des Zwillbrocker Venns.

Mit etwas Glück können Sie hier die jungen Flamingos sowie die Kolonie und das gesamte Brutgeschehen in ca. 300m Entfernung beobachten.

Ab Mitte Mai können meist die ersten Jungen schlüpfen, selten auch schon Ende April/Anfang Mai oder sogar bis in den Juni. Der Beginn der Brutzeit der Flamingos ist u.a. auch  abhängig von der Witterung und ihrer Ankunft aus den Überwinterungsgebieten. Die Küken und jungen, noch nicht flugfähigen Flamingos halten sich erst auf der Insel im Lachmöwensee auf und sind später auch in die seichteren Uferbereiche des Sees zu beobachten.

 

Die Herkunft der ursprünglichen Flamingos, die sich in den 1980 Jahren im Zwillbrocker Venn angesiedelt haben, ist rein spekulativ:

Die Chile- und der Kubaflamingo stammen sicher aus Gefangenschaft. Bei den Rosaflamingos kann ein Austausch mit anderen europäischen Populationen nicht ausgeschlossen werden.
Aktuell besteht die Flamingogruppe aus im Zwillbrocker Venn geborenen Vögeln, hierbei handelt es sich schon um die dritte Generation Flamingos.

Flamingos sind Filtrierer, das heißt dass sie kleine Teilchen aus dem Wasser seihen oder filtern. Hierzu fahren sie mit ihrem Lamellen besetzten Schnabel, dem so genannten Seihschnabel durch das Wasser. Die Lamellen dienen dabei als Filter, der freischwimmenden Krebstierchen, Einzellern, Kleinmuscheln, Algen und anderem  Kleinstlebewesen zwischen 0,6 – 6 mm auffängt.  Die Nahrungspartikel werden mit der Zunge in den Rachenraum befördert und geschluckt.

Neben den Flamingos brüten auch einige tausend Lachmöwen im Zwillbrocker Venn, die den See auf deren Insel sich die Brutkolonie befindet ihren Namen gaben. Während der Brutzeit stellt dieser Lachmöwensee die die wichtigste Nahrungsgrundlage für die Flamingos dar. Durch den Kot der Lachmöwen wird das Wasser stark mit Nährstoffen angereichert, wodurch eine hohe Dichte an Kleinstlebewesen als Nahrungsgrundlage für die Flamingos geschaffen wird. 

In den Wintermonaten halten sich die Flamingos dan den offenen Wasserbereichen des niederländischen Ijssel- und Veluwemeers sowie am niederländischen Rheindelta auf. Hier bieten sich den Flamingos auch in den Wintermonaten offene Wasserflächen zur Nahrungssuche. Kritisch wird es für die Flamingos erst dann, wenn über lange Zeit Dauerfrost herrscht, der auch das Wasser in diesen Bereichen gefrieren lässt.
 

Die Gruppenbalz der Flamingos erinnert fast schon an einen Tanz:

Eine Gruppe rosa Vögel  schreitet mit synchronen Bewegungen durch das seichte Wasser des Lachmöwensees. Die langen Hälse sind in die Höhe gestreckt, der Kopf wird abwechselnd schnell zur Seiten gedreht, dann werden die markant gefärbten rosa-schwarzen Flügelunterseiten präsentiert . . . .

Die Beobachtung der Gruppenbalz ist immer wieder ein Erlebnis und entlohnt den Besucher trotz kalt-frühlingshafter Witterung im Zwillbrocker Venn.

Die Balz kann zum Teil z.B. bei sehr milden Wintern schon im Februar beginnen.

Ja! In fast allen Jahren seit Ansiedlung der ersten Tiere in 1982 wurden Bruthügel gebaut und Eier gelegt.

Die kegelförmigen Schlammnester, die bis zu 40 cm hoch sein können, werden von den Tieren auf der Insel mitten im Lachmöwensee errichtet. In den meisten Jahren schlüpften auch mehrere Junge und werden erfolgreich aufgezogen und flügge. Während der Brutzeit sind die Tiere sehr scheu und störungsempfindlich, schon bei geringen Beunruhigungen verlassen die Tiere ihre Nester.

Um ihren weiteren Lebensweg zu verfolgen, werden die jungen Flamingos mit ca. 5,5 cm großen Plastikring beringt. Durch diese Ringe mit Beschriftungen (z.B. ZV 47) lassen sie sich auch später über eine größere Distanz identifizieren. Diese Beobachtungen und Ringablesungen lieferten viele Erkenntnisse über z.B. die Teilnahme am Brutgeschehen, Zugwege, Winterquartiere etc.
 

Flamingos legen nur ein einziges Ei, Gelege mit  zwei Eiern  werden bei Flamingos nur sehr selten beobachtet.

Das Ei wird für die Dauer von ca. 4 Wochen bebrütet, bei der Brut wechseln  sich die beiden Alttiere ab. Bereits vor der Eiablage bauen die Flamingos kegelförmigen Schlammnester, die bis zu 40cm hoch sein können.
Auch während der Brutzeit wird dieses Nest  von den brütenden Alttieren ständig ausgebessert.

Das schlüpfende Junge besitzt zunächst ein grau-weißes, dichtes Daunenkleid. Die ersten Tage verbringt das Küken im Nest, mit einigen Tagen erkundet es aber schon die nähere Umgebung und schließt sich später zusammen mit den anderen Küken einem „Kindergarten“ an. Mit wenigen Wochen bildet sich ein dunkelgraues Daunenkleid und mit einigen Wochen wachsen die ersten Rosa-schwarzen Handschwingen.

Flamingos füttern ihre Küken mit Kropfmilch, dies ist ein spezielles, rotgelbes Sekret, das in den oberen Verdauungswegen der Alttiere gebildet wird. Diese "Milch" ist nahrhaft und eiweissreich. Mit ein paar Wochen beginnen die jungen Flamingos jedoch schon die Eltern zu imitieren: Mit dem Schnabel im Wasser treten sie auf der Stelle oder bewegen sich in kleinen Kreisen und filtern so Kleinstpartikel mit ihrem Schnabel aus dem Wasser.

 

Ab Mitte Mai können meist die ersten Jungen schlüpfen, selten auch schon Ende April/Anfang Mai oder sogar bis in den Juni.

Der Beginn der Brutzeit der Flamingos ist u.a. auch  abhängig von der Witterung und ihrer Ankunft aus den Überwinterungsgebieten.
Die Küken und jungen, noch nicht flugfähigen Flamingos halten sich erst auf der Insel im Lachmöwensee auf und sind später auch in die seichteren Uferbereiche des Sees zu beobachten.

Eine gute Beobachtungsmöglichkeit bietet Ihnen die Beobachtungkanzel an der Remise, direkt am Rundwanderweg des Zwillbrocker Venns. Mit etwas Glück können Sie hier die jungen Flamingos sowie die Kolonie und das gesamte Brutgeschehen in ca. 300m Entfernung beobachten.

Die im Zwillbrocker Venn geschlüpften Flamingos werden seit 1995 mit ca. 5,5 cm langen roten Plastikringen mit weißer Einschrift beringt.

Die Ringnummern, bestehend aus dem Kürzel ZV und einer zweistelligen Nummer. Diese Ringe lassen sich auch über größere Entfernung z. B. mit einem Fernglas oder Spektiv gut ablesen, sofern die Tiere nicht zu tief  im Wasser stehen. Durch das Ablesen der Ringgnummern (z.B. ZV 47) lassen sich die Einzeltiere eindeutig identifizieren. Diese Beobachtungen und Ringablesungen lieferten viele Erkenntnisse über z.B. die Teilnahme am Brutgeschehen, ihre jährlichen Zugwege und die Nutzung ihrer Nahrungs- und Überwinterungsgebiete.

Die kalten Temperaturen der Wintermonate im Münsterland stellen kein Problem für Flamingos dar.

Allgemein verbinden wir Flamingos eher mit tropischen Klima. Jedoch können z.B. für Chile-Flamingos zur Brutzeit auch niedrige Temperaturen vorkommen, auch verbringen sie  ihren Winter in natürlichen Verbreitungsgebiet in großen Höhen und bei sehr niedrigen Temperaturen. Auch der Rosaflamingo erträgt z.B. in seinen Brutgebieten in der zentralen Türkei deutliche Minusgrade im Winter.
Ein wichtigerer Aspekt ist das Vorhandensein von Nahrung, da die als Nahrungsgrundlage dienenden Kleinstlebewesen im Winter im Lachmöwensee stark abnehmen. Auch aus diesem Grund wechseln die Tiere in ihre  Überwinterungsgebiete, die offenen Wasserbereiche des niederländischen Ijssel- und Veluwemeers sowie an das niederländische Rheindelta. Hier bieten sich den Flamingos auch in den Wintermonaten offene Wasserflächen zur Nahrungssuche.

Aus den Beringungen der in Zwillbrocker Venn geschlüpften Tiere und den jährlichen Beobachtungen und Ringablesungen wissen wir z.B. dass der aktuell älteste Zwillbrocker Flamingo vor über 20 Jahren geschlüpft ist. Aus weiteren Ringfunden ist bekannt, dass Flamingos häufig über 20 Jahre alt werden können und der älteste Flamingo in der Natur über 27 Jahre alt wurde (aus: Bauer, Bezzel, Fiedler (2012): Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Aula-Verlag).

Der wahrscheinlich älteste Flamingo der Welt lebte in einem australischen Zoo und ist stolze 83 Jahre alt geworden.

In den 30 Jahren seit dem die Flamingos sich im Zwillbrocker Venn angesiedelt haben, kam es jährlich zur Brut. Jedoch kam es in einigen Jahren zu einem vollständigen Ausfall des Bruterfolges bei Flamingos, Lachmöwen und anderen Brutvögeln des Zwillbrocker Venns.

Im Jahre 2009 konnte während der Brutzeit beobachtet werden, dass es in nur wenigen Nächten viele Verluste an Eiern und Jungvögel gab. In 2010 gingen in kurzer Zeit alle Flamingoeier verloren sowie wurden viele Enten- und Gänsenester zerstört und viel jungen Lachmöwen tot gebissen auf der Insel gefunden. 

Nächtliche Kamerauntersuchungen zeigten daraufhin, dass nachts regelmäßig ein Rotfuchs auf die Insel schwamm. Als Schutz für die zahlreichen Brutvögel der Insel wurde ein Zaun in den Gewässerbereichen südlich der Insel errichtet, der so das „Übersetzen“ der Füchse auf die Insel verhindert. Weiterhin wird der Wasserstand im See geregelt, und während der Brutzeit werden nächtliche Kameraaufnahmen der Brutkolonie ausgewertet.

 

Die Flamingos sind eine Bereicherung der Landschaft und der heimischen Vogelwelt.

Konkurrenz zu anderen Vogelarten gibt es ebensowenig wie schädliche Auswirkungen auf den Lebensraum. Die Vögel locken jährlich Tausende von Besuchern in das Venn und wecken ihr Interesse an der Landschaft und für die allgemeinen Belange des Naturschutzes.